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Drucken Top Mitteilung von AFVD vom 11.07.2018

Perspektiven des Football-Leistungssports in Deutschland

Hauptausschuss und Präsidium haben sich unlängst in der Sitzung des Hauptauschusses grundlegend mit der Situation der Sportart American Football im Leistungssport und mit dessen Stellung im deutschen Sportsystem befasst. Während es auf der einen Seite erfreuliche Entwicklungen im Bereich der Fernsehpräsenz und Mitgliederentwicklung gibt, sieht dies im Bereich Leistungssport weniger erfreulich aus.

1.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und das Bundesministerium des Innern haben die F√∂rderrichtlinie f√ľr den nicht-olympischen Sport bereits im Dezember letzten Jahres pr√§zisiert und dabei versch√§rft. Voraussetzung f√ľr die F√∂rderung ist nach den neuen Richtlinien die Teilnahme von mindestens 16 Nationen an der Endrunde einer Weltmeisterschaft (ohne dass Vorqualifikationen mitz√§hlen). Zuvor konnte dieses Quorum in der Addition von Endrunde und Vorqualifikation erf√ľllt werden.

Dieses Kriterium kann in der Sportart American Football mit Amateurmannschaften nicht erf√ľllt werden. Es gibt keinen gangbaren Weg, eine Football-Weltmeisterschaft mit 16 Nationen in einem zusammenh√§ngenden Turnier zu spielen. Ein solches Turnier w√ľrde mindestens drei Wochen dauern m√ľssen, da f√ľnf Spiele je Mannschaft f√ľr einen sportlich sinnvollen Modus sowie An- und Abreisetage n√∂tig w√§ren. Hinzu k√§me noch die Vorbereitungsphase mit einem gemeinsamen Trainingslager.

Dies ist in einem Amateursport f√ľr Spieler und Trainer nicht leistbar und f√ľr Verb√§nde ohne Unterst√ľtzung mit √∂ffentlichen Geldern auch nicht finanzierbar. Auch die Ausrichtung eines solchen Turnieres, bei dem allein die √úbernachtungskosten f√ľr 16 Mannschaften √ľber eine Million Euro verschlingen w√ľrden, ist derzeit nirgendwo auf der Welt refinanzierbar - selbst in den USA nicht, wie die ohne jede Zuschauerresonanz ausgetragenen Turniere in Austin oder Canton belegt haben.

2.

Es steht nicht in der Macht des AFVD, diese Ausgangslage zu √§ndern. Einzig DOSB und das Bundesministerium des Innern k√∂nnen ihre Einsch√§tzung √§ndern. Entsprechende Anl√§ufe des AFVD, einschlie√ülich eines eingebrachten √Ąnderungsantrages zur DOSB-Mitgliederversammlung werden und wurden unternommen. Ziel ist zu erreichen, dass die spezifische Situation im American Football mit seinen mit anderen Sportarten nicht vergleichbaren Kadergr√∂√üen sowie seiner speziellen physischen Anforderungen ber√ľcksichtigt wird.

Dazu geh√∂rten auch mehrere Klagen und gerichtliche Eilverfahren gegen das Bundesverwaltungsamt gegen die F√∂rderpraxis des letzten F√∂rderzyklus. Diese Klagen erbrachten in vielen Punkten rechtliche Klarheit, von der nunmehr auch die √ľbrige deutsche Sportfamilie profitiert. Allerdings auch die Erkenntnis, dass die Entscheidungshoheit √ľber die Bundesf√∂rderung als solche ganz allein beim Bundesministerium liegt und dieses einen sehr gro√üen Entscheidungsspielraum hat. Das Kriterium von mindestens 16 Teilnehmernationen an einer WM-Endrunde wird vom Ministerium auch f√ľr den American Football als verbindlich betrachtet.

Eine √Ąnderung dieses Kriteriums wird es, wenn √ľberhaupt, nur √ľber eine politische Entscheidung auf der politischen Leitungsebene des Ministeriums oder durch Intervention des Deutschen Bundestages geben k√∂nnen. Angesichts der stockenden Leistungssportreform insgesamt auf DOSB-Ebene ist dies jedoch kurz- und mittelfristig sehr unwahrscheinlich. Zumal der nicht-olympische Sport in Deutschland ohnehin bereits deutlich weniger F√∂rderung erh√§lt als der olympische Bereich. Es ist also davon auszugehen, dass eine Bundesf√∂rderung kurz- und mittelfristig unm√∂glich ist.

3.

Teilnahmen an Weltturnieren in √úbersee mit Reisekosten von weit √ľber 100.000 Euro sind unter diesen Voraussetzungen schwer vorstellbar. Hinzu kommt, dass das Organisationsniveau internationaler Turniere au√üerhalb Deutschlands (und √Ėsterreichs) daf√ľr sorgt, dass diese f√ľr Sponsoren, Wirtschaftpartner, Medien, Fernsehen und Zuschauer nur m√§√üig attraktiv sind. Die letzte Weltmeisterschaft in Canton (USA) fand ohne jedes Zuschauerinteresse und ohne Medien- und Fernsehpr√§senz statt. Auch die letzten beiden Junioren-Weltmeisterschaften in Kuwait (w√§hrend des Hochsommers im Ramadan) und in Harbin (China) zeichneten sich vor allem dank √ľberaus motivierter, engagierter und gastfreundlicher Helfer vor Ort aus - aber au√üer denen war praktisch niemand in den Stadien. Dies reduziert naturgem√§√ü auch die M√∂glichkeit, Partner wie Wirtschaft, Staat und Medien f√ľr eine Unterst√ľtzung dieser Veranstaltungen zu motivieren.

Die Turniere des letzten Jahrzehnts in Deutschland und √Ėsterreich boten Endspiele in Fu√üball-WM-Stadien mit f√ľnfstelligen Zuschauerzahlen und Live-√úbertragungen in frei empfangbaren TV-Sendern. Eine Bereitschaft, an diese Beispiele anzukn√ľpfen, ist auf internationaler Ebene derzeit nicht zu erkennen. Das Modell des Weltverbandes sieht vor, die Kosten der Turniere allein den teilnehmenden Mannschaften aufzub√ľrden. Beauftragte Ausrichter planen von vornherein ohne Zuschauerresonanz, Medieninteresse oder √ľberhaupt allgemeine Sportinfrastruktur. Statt EM-Finals in der Commerzbank Arena oder dem Ernst-Happel-Stadion gibt es so Turniere auf einfachsten Sportanlagen in Kleinst√§dten.

4.

Der Gesamtverband muss sich der grunds√§tzlichen Frage stellen, wie er sein Leistungssportprogramm f√ľr die n√§here Zukunft vor diesem Hintergrund gestaltet. Eine F√∂rderung aus √∂ffentlichen Mitteln ist nicht mehr m√∂glich, auch eine finanzielle Beteiligung von Wirtschaftspartnern ist nicht vorstellbar, wenn die Nationalmannschaft ohne Zuschauer und Medienpr√§senz bei einem Turnier in einer Kleinstadt im Ausland spielt. Finanziert werden m√ľssten diese Reisen also entweder von der Gesamtheit aller Verbandsmitglieder √ľber deren Beitr√§ge oder zumindest zum gr√∂√üeren Teil durch die Aktiven selbst. Da stellt sich vor allem im Sinne der Aktiven die Frage, ob es nicht wesentlich sinnvoller ist, die vorhandenen Mittel in die weitere St√§rkung der GFL bzw. der eigenen Verbands- und Liga-Strukturen zu investieren, um dort die sportliche Herausforderung zu bieten, die die Aktiven ben√∂tigen.

Unabh√§ngig davon will der AFVD mit seinen Landesverb√§nden vor allem aber das Nachwuchsleistungssportprogramm nicht nur aufrechterhalten, sondern auch ausweiten. Hier verbinden sich die Ziele der Leistungsf√∂rderung und der weiteren St√§rkung der nationalen Ligen mit der GFL an der Spitze. Jugendliche k√∂nnen im Rahmen der Leistungssportma√ünahmen st√§rker an den Sport gebunden werden, ausgebildet werden und so auch f√ľr den sp√§teren Spielbetrieb der GFL vorbereitet werden.

Gleichzeitig zeigt die Entwicklung der letzten Jahre, dass - prim√§r sicher durch individuellen Trainingsflei√ü, aber gef√∂rdert auch durch die anerkannt hohe Qualit√§t der Jugendarbeit in den allermeisten AFVD-Vereinen und auch die Leistungssportma√ünahmen des Bundesverbandes oder der Landesverb√§nde - immer mehr deutsche Jugendliche es schaffen, im Rahmen von Austauschjahren in US-High-Schools oder sp√§ter auch in Colleges Fu√ü zu fassen. Dies ist nicht nur in sportlicher Hinsicht f√ľr diese jungen Menschen eine hervorragende Perspektive, sondern auch f√ľr ihre pers√∂nlichen Entwicklungschancen.

Dass solche Ausbildungswege √ľber entsprechende sportliche Leistungen durch die Mitgliedschaft in einem AFVD-Verein m√∂glich sind, gibt Vereinen bei der Mitgliederwerbung im Jugendbereich ein sehr gutes Argument gegen√ľber Eltern in die Hand. F√ľr die Gesamtheit der AFVD-Mitglieder ist auch deswegen das f√ľr den Nachwuchsleistungsbereich zur Verf√ľgung gestellte Geld und personelle Ressourcen nach Ansicht des Hauptausschusses sehr gut investiert.

Dabei sollen die Nachwuchstalente in Talentfördermaßnahmen gesichtet, ausgebildet und in ihrem Talent weiterentwickelt werden. Angestrebt wird dies mit Partnerorganisationen im internationalen Football-Sport. Das alljährliche Jugendländerturnier der Jugendauswahlmannschaften stellt hier bereits eine Anker-Aktivität da, die weltweit ihres Gleichen sucht.

5.

Der Bereich Leistungs- und Nachwuchsleistungssport des AFVD erstellt derzeit ein Grundsatzkonzept, das die verschiedenen Elemente zusammenf√ľgt und eine nachhaltige ganzj√§hrige Pr√§senz von Leistungs- und Nachwuchsleitungssportaktivit√§ten sicherstellt und erm√∂glicht. Dieses soll zeitnah den Gremien von Liga und Verband vorgestellt werden.

Dieses Grundsatzkonzept soll sowohl die Beschickung von Turnieren und Wettbewerben mit Auswahlmannschaften, als auch davon unabh√§ngige Elemente enthalten. √úber die turnusgem√§√ü 2019 anstehende Weltmeisterschaft ist bis heute weder bekannt, wo diese stattfinden soll, noch wie sich Mannschaften qualifizieren k√∂nnen. Nach Angaben des australischen Football-Verbandes hat sich Australien mit Sydney als Austragungsort f√ľr die Ausrichtung beworben mit einem Zeitfenster, das unmittelbar drei Tage hinter dem bereits terminierten German Bowl 2019 beginnt. Der German Bowl muss aus organisatorischen Gr√ľnden in der FIFA-L√§nderspiel-Pause stattfinden und kann daher nicht verschoben werden. F√ľr eine Anreise nach Australien st√ľnde somit bei einer Flugdauer von 24 - 28 Stunden nur ein Zeitfenster von zwei Kalendertagen zur Verf√ľgung.

Gespr√§che √ľber m√∂gliche L√§nderspiele und Wettbewerbsformate in 2019 und dar√ľber hinaus werden derzeit gef√ľhrt.

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